Geschichte - Schloss Gemuenden
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Geschichte

Die von Salis-Soglio

Am 26. April 1815 heiratet der Kaiserhauptmann Johann Anton v. Salis aus Soglio in Graubünden (Schweiz) Freifrau v. Warsberg, geb. v. Schmidtburg und begründet den Zweig der Salis auf Gemünden. 1827 wird er als Freiherr in die preußischen Adelsmatrikel eingetragen. Die Salis entstammen dem oberitalienischen Uradel. Der Gemündener Zweig geht auf die Linie Soglio zurück.
Die Mitglieder der Familie Salis bekleideten in der Schweiz hohe Ämter. Man findet unter ihnen Landeshauptleute, Landvögte, Gesandte, Diplomaten und Bürgermeister. Sie standen als Offiziere im Dienste vieler europäischer Länder. Aber auch Professoren, Juristen, Techniker, Kunstmaler und Dichter gingen aus den verschiedenen Seitenlinien hervor.
Das Wappen der Salis zeigt in der oberen Schildhälfte einen Weidenbaum (lat: salix-weide). Daher rührt der Wahlspruch des Geschlechtes „salixflectitur, sed non frangitur“ (eine Weide biegt sich, aber sie bricht nicht).

Die Burggeschichte des Schlosses

Wie die erste Burganlage in Gemünden aussah, ist weder durch einen Plan noch Abbildungen belegt. Die älteste Beschreibung stammt aus dem Jahre 1417. Der rechteckige Wohnbau mit den vier wuchtigen Ecktürmen ist bei keiner anderen Hunsrücker Burg anzutreffen. In einem Werk über die rheinischen Höhenburgen werden die Türme wie folgt beschrieben: “ … von Frankreich her kommt zu Beginn des 13. Jahrhunderts eine Steigerung der Ausdrucksmöglichkeiten durch vielfache Ecktürme am Pallas. Von den Donjons her war Frankreich das Vergnügen an Ecktürmen schon geläufig. Noch im 16. und 17. Jahrhundert behaupten sich immer massiger werdende durchgehende Ecktürme an den Wohnbauten, wie es in Gemünden wuchtig verdeutlicht wird.“

Schloss Gemünden im Hunsrück

Schloss Gemünden ist eine seltene Anlage, die jeden Burgenfreund erfreut, denn schließlich ist die über ein halbes Jahrtausend währende Familientradition des Schmidtburger Geschlechtes, die durch das Graubündener Geschlecht derer von Salis bis zum heutigen Tag fortgeführt wird, nicht alltäglich.
Bei der ersten Nennung ist Schloss Gemünden im Besitz des bedeutenden Adelsgeschlechtes der Sponheimer, das sich im Mittelalter eine regelrechte Befestigungslinie von der Nahe bis zur Mosel ausgebaut hatte. Aus den Händen der Sponheimer und den nachfolgenden Gemeinsherrn von Schloss und Stadt Gemünden, Baden und Veldenz gehen Anteile an Walrab v. Koppenstein.
Nach dem Aussterben der Koppensteiner Linie fällt der ganze Besitz zu einem Fünftel an den Kurfürsten von der Pfalz und zu vier Fünfteln an Herzog Johann von Simmern. Eine gesicherte und lückenlose Geschichte der Burg ist erst ab 1514 möglich, als Fritz v. Schmidtburg, auch Fritsch genannt, die Burganlage in Gemünden vom Herzog in Simmern und dem Kurfürsten Ludwig von der Pfalz erwarb.
Über 300 Jahre verblieb das Schloss nun im Besitz der Schmidtburger. Der dreißigjährige Krieg geht spurlos an ihm vorüber. Die Geschehnisse des pfälzischen Raubkrieges (1688-1696) treffen das Schloss mit voller Härte. Sprengungen und Brände vernichten die Holzteile und die Dächer. Doch wird es zwei Jahrzehnte später wieder aufgebaut. Mit Franz Ignaz Nepomuk v. Schmidtburg stirbt die männliche Linie aus.
Eine Tochter, die zuerst mit einem Freiherrn v. Warsberg verheiratet ist, vermählt sich nach dem frühen Tod ihres Mannes mit dem österreichischen Kaiserhauptmann Johann Anton v. Salis-Soglio aus Graubünden, der mit den Befreiungstruppen der Österreicher, Preußen und Russen ins Land gekommen ist. Mit ihm beginnt ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Schlosses. Noch heute leben die Nachkommen derer von Salis auf Schloss Gemünden.

Plan von Gemünden und Schloss aus dem Jahre 1568

Der erste Grundriss der Burg findet sich auf einem Plan des Fleckens Gemünden von 1568. Darauf erkennt man deutlich die Umwehrung des Ortes mit einer Mauer und die günstige Lage der Burg auf einem steinigen Bergsporn über dem Simmerbach. Er zeigt die schon im 15. Jahrhundert beschriebene Anlage mit den Türmen, wobei damals westlicher Wehr- und östlicher Wohnbau durch Mauern fest miteinander verbunden sind.
Die Jahre 1688 und 1689 bedeuten für zahlreiche Hunsrückburgen das Ende. In den Erbauseinandersetzungen zwischen Ludwig XIV. und dem Reich richten die Truppen des Sonnenköigs im linksrheinischen Raum unermessliche Schäden an. Auf Burg Gemünden geben sich 60 Minierer alle erdenkliche Mühe, die starken Mauern zu sprengen und die Burg unbrauchbar zu machen. Ein Plan im Schloss zeigt den Zustand des Schlosses

nach dieser Sprengung und nach den Bränden.
Plan für den Wiederaufbau 1720. Baumeister: Caspar Herwartell

Über 25 Jahre standen die Ruinen, bevor man den Wiederaufbau begann. Diesmal unterlässt man den Ausbau des ursprünglich wehrhaften Teils ganz und hebt dafür den östlichen Wohnteil mit den vier Ecktürmen mächtig hervor. Beide Gebäudeteile werden durch sechs Bogengänge miteinander verbunden.
Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Westteil zu zerfallen droht, trägt man einen Teil der Rundtürme ab und deckt das Mauerwerk mit Mörtel, um einen weiteren Zerfall zu vermeiden. Deshalb sind die Rundtürme heute um ein Drittel niedriger. Einst bargen die unteren Räume das Gefängnis, heute sind in dem Gewölbe die Schlosskapelle und die Grablege derer von Salis untergebracht.